Energiewendemacher:innen
Projektvorstellungen
Am 7. Mai 2026 pitchen 8 innovative Projekte um den aeesuisse award 2026. Erfahren Sie hier mehr über alle teilnehmenden Projekte.
ADEV Solarstrom AG: Ein kunterbunter ZEV
In Sursee verknüpft die ADEV zwei Photovoltaikanlagen und ein Kleinwasserkraftwerk zu einem gemeinsamen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV).
Die ADEV Energiegenossenschaft betreibt seit 2013 eine Solaranlage auf dem Dach der Stadthalle Sursee (LU) sowie seit 2024 eine weitere Anlage auf dem Dach des neuen Schulhauses. In unmittelbarer Nähe ergänzt ein Kleinwasserkraftwerk der GWD Energiegenossenschaft an der Sure die Stromproduktion, wenn die Sonne fehlt.
Im ZEV-Modell der ADEV deckt zunächst die neue PV-Anlage den Strombedarf von Schulhaus und Stadthalle. Reicht diese Produktion nicht aus, liefert das Kleinwasserkraftwerk und später auch die Anlage auf der Stadthalle zusätzlichen Strom. Die Anlagen stammen aus den unterschiedlichen Förderregimen MKF, KEV und ZEV, was die korrekte Abrechnung besonders anspruchsvoll macht.
Am Schluss profitieren alle Beteiligten, nicht zuletzt weil der lokal produzierte Strom günstiger ist als Strom aus dem Netz.
dhp Technology AG: Grösstes Solarfaltdach der Welt
Doppelnutzung statt Flächenverbrauch: Das weltweit grösste Solarfaltdach auf der ARA Thunersee
Auf der ARA Thunersee in Uetendorf wurde 2025 das weltweit grösste Solarfaltdach realisiert. Die Anlage mit 3.6 MWp Leistung und über 23’000 m² Modulfläche produziert rund 3 GWh Solarstrom pro Jahr und stärkt die Eigenversorgung einer kritischen 24/7-Infrastruktur.
Das Besondere: Der laufende Betrieb wird nicht gestört. Dank einfahrbarer Konstruktion bleiben die Klärbecken jederzeit von oben zugänglich, sodass Filter und Einbauten effizient gewartet oder ausgetauscht werden können. Bei Sturm, Hagel oder starkem Schneefall fährt das Dach automatisch ein und schützt sich selbst. Zusätzlich spart die ressourcenschonende Leichtbauweise Material und CO2. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Energiewende auf bestehender Infrastruktur ohne Flächenkonflikte gelingt.
e4plus AG: Erdwärmesonden-Strategie Altstadt Sursee
Die e4plus AG entwickelte für die Stadt Sursee ein schweizweit einzigartiges Konzept, das eine vollständig fossilfreie Wärmeversorgung im «Städtli» ohne Fernwärme ermöglicht. Der Ansatz erlaubt Eigentümer:innen individuelle Wärmepumpen und stellt sicher, dass die begrenzte Erdwärme maximal genutzt wird. So entsteht hohe Planungssicherheit für alle Beteiligten.
Die Stadt Sursee stellt öffentlichen Grund für Erdsonden bereit und setzt klare Rahmenbedingungen – ohne selbst Betreiberin der Wärmeversorgung zu sein. Das Modell kann anderen Gemeinden als Beispiel dienen.
Gemeinsam mit CSD Ingenieure analysierte e4plus das Potenzial der Altstadt für eine vollständige Versorgung mit Erdwärme systematisch. Das Team von e4plus prüfte die relevanten Einflussfaktoren auf den Wärmeentzug, entwickelte Kriterien für den maximalen Wärmebedarf und erarbeitete ein praxistaugliches Verfahren für die Nutzung des öffentlichen Grunds für private Erdwärmesonden.
Elektrizitätswerk Ursern: Ausbau Windpark Gütsch: Von 5 auf 12 Millionen Kilowattstunden Windstrom
Windpark in Rekordzeit ausgebaut
Dank positiven Betriebserfahrungen mit dem Windpark Gütsch und dem beherzten Vorgehen aller Beteiligten, von den massgebenden Umweltverbänden über nationale und kantonale Behörden bis hin zu den Gemeindebehörden, baute das Elektrizitätswerk Ursern in Rekordzeit zwei neue WEA (Windenergieanlagen) und erhöht damit sein Windstromproduktion von jährlich 5 auf rund 12 Mio. kWh.
Was in der Schweiz über 20 Jahre dauert, haben die «Urschner» in dreieinhalb Jahren geschafft: Die Windpioniere, die 2004 auf dem Gütsch auf 2332m.ü.M, oberhalb von Andermatt, zu ihrem 100 Jahr Jubiläum die damals höchst gelegene WEA Europas in Betrieb nahmen, planten, bewilligten und bauten dort in kürzester Zeit zwei neue WEA.
Der hochalpine Windpark auf dem Gütsch zählte vier WEA, die 2004, 2010 und 2012 gebaut wurden. Die Anlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Ski- und Wandergebiets. 2025 wurde das älteste WEA abgebaut und der Park durch zwei neue erweitert, womit sich speziell die wertvolle Winterstromproduktion erhöht.
Die Windstromproduktion ergänzt die Produktion aus Wasserkraft des EW Ursern optimal. Damit kann zusätzlich seine Eigenstromproduktion erhöht werden.
HVO SWISS SA: Pyrolyse von Kunststoffen
HVO SWISS SA ist ein innovatives Schweizer Unternehmen, das sich auf die Verwertung von nicht recycelbaren Kunststoffabfällen mittels fortschrittlicher Pyrolysetechnologien spezialisiert hat. Es wandelt diese komplexen Abfallströme in Sekundärrohstoffe und nachhaltige Kraftstoffe mit hohem Mehrwert um, darunter synthetische Öle und nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF).
Im Einklang mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ermöglichen die Lösungen des Unternehmens die Rückführung von Abfällen in den Industriekreislauf und reduzieren gleichzeitig den CO₂-Fußabdruck erheblich, mit bis zu 92 % weniger CO₂-Emissionen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen.
HVO SWISS SA beherrscht die gesamte Wertschöpfungskette, von der Projektstrukturierung über das Engineering und die regulatorische Begleitung bis hin zum Betrieb der Anlagen. Das in der Schweiz und international tätige Unternehmen entwickelt zuverlässige industrielle Lösungen, die konkret zur Abfallreduzierung, zur Energiewende und zur nachhaltigen Sicherung von Ressourcen beitragen.
Renercon Betriebs AG: Energie-Hub, Beringen-Schaffhausen
Der E-Hub Beringen-Schaffhausen ist ein zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt zur klimaneutralen Wärmeversorgung der Region Schaffhausen. Er nutzt die ganzjährig verfügbare Abwärme eines Rechenzentrums und speist diese über eine zentrale Heizzentrale sowie einen saisonalen Erdbeckenspeicher (PTES) mit rund 250’000 m³ in das regionale Fernwärmenetz ein.
Mit rund 100 GWh erneuerbarer Wärme pro Jahr ersetzt der E-Hub fossile Erzeugung, reduziert Spitzenlasten und steigert Versorgungssicherheit bei stabilen Wärmepreisen. Das integrierte Speicherkonzept ermöglicht den Verzicht auf zusätzliche Erzeugungsanlagen, senkt Investitions- und Betriebskosten und erhöht die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus.
Innovativ ist die erste bewilligungsfähige Planung eines saisonalen Erdbeckenspeichers dieser Größenordnung in der Schweiz, realisiert in einer bestehenden Kiesgrube und kombiniert mit Kiesabbau. So entfallen energieintensive Aushubarbeiten, Lastwagenfahrten und große Mengen grauer Energie. Der E-Hub leistet einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung städtischer Wärmeversorgung und setzt einen Benchmark für nachhaltige Fernwärme. Das Projekt ist Teil des SwissSTES.
Sun-Ways: Strategische Solarkraftwerke für die Schweiz
Die abnehmbare Befestigungsvorrichtung Sun-Ways ist eine disruptive Innovation im Bereich Solarenergie und Eisenbahn und ermöglicht die Nutzung der 5’000’000 m² ungenutzter Fläche zwischen den Schienen einer Eisenbahnstrecke, wobei die Sicherheit des Zugverkehrs und der Wartungsarbeiten an den Gleisen gewährleistet bleibt. Die Pilotanlage in Neuenburg ist seit 9 Monaten in Betrieb und wird täglich von 30 Zügen ohne Probleme befahren.
In der Schweiz beträgt das Produktionspotenzial mehr als 1 TWh/Jahr und kann für einen maximalen Eigenverbrauch direkt in das Traktionsnetz der Züge eingespeist werden, was zu einer CO2-Reduktion von 200’000 Tonnen/Jahr führt. Die mit Sun-Ways eingesparte Energie wird in den Staudämmen der SBB gespeichert und dient dazu, 20 % des Winterdefizits von 5 TWh auszugleichen.
In Verbindung mit einer großvolumigen Speicherkapazität wird diese Energiequelle für den Schienenverkehr in der Lage sein, die öffentlichen Stromnetze auszugleichen, insbesondere um die Spitzen der Solarstromproduktion im Sommer aufzufangen.
Swisspower AG: LEGhub
Die neuen Modelle lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) und virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV) sind ein zentraler Baustein der Schweizer Energiewende. Genau hier setzt der LEGhub an – er ist die erste digitale Plattform für eine standardisierte und digitale Abwicklung von LEG.
Der LEGhub ermöglicht Endkund:innen, sich einfach, schnell und vollständig digital zu einer LEG zusammenzuschliessen und lokal produzierten Solarstrom gemeinsam zu nutzen. Gleichzeitig entlastet der LEGhub Verteilnetzbetreiber erheblich, indem alle Prozesse standardisiert, rechtssicher und über Schnittstellen direkt in ihre Systeme integriert werden.
Mit über 50 involvierten Stromversorgern, mehreren Hundert gegründeten LEG und weit über 10’000 durchgeführten vZEV-Checks zeigt der LEGhub, wie gesetzliche Neuerungen kooperativ, digital und erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. So trägt die Plattform zur Senkung der Einstiegshürden für eine nachhaltige, dezentrale Energieversorgung bei.